Jacques Brels Chansons - eine persönliche Auswahl



[Ces gens là]    [Fernand]    [Jacky]    [Je ne sais pas]    [Jef]    [La fanette]    [Les bourgeois]    [Les Marquises]    [Madeleine]    [Mathilde]    [Ne me quitte pas]    [Sur la place]    [zurück]



Ces gens là

Es ist eine merkwürdige Sippschaft, die Brel in einer monotonen Elegie besingt, die Brüder, die Mutter, die alte Großmutter, "Chez ces gens-là on ne pense pas Monsieur On prie. On ne vit pas. On triche." Doch plötzlich bricht es aus ihm heraus, und Brels Stimme explodiert vor Glück: "Et puis et puis et puis il y a Frida, qui est belle comme un soleil." Frida, die ihn so liebt, wie er sie, auch wenn ihre Familie den beiden das Glück mißgönnt. Frida, mit der er hofft, auf und davon zu gehen, ihre Familie wie alles andere hinter sich zu lassen. Schon lange malen sie beide sich das aus. Und er glaubt ihr, er glaubt ihr tatsächlich für einen Moment, einen einzigen Moment nur. Doch dann muß er resignierend einsehen: "Chez ces gens-là on ne s'en va pas Monsieur on ne s'en va pas."



Fernand

"Dire que Fernand est mort." Brel beklagt verzweifelt den Tod seines Freundes. "Dire que je suis seul derrière. Dire qu'il est seul devant." Noch einmal beschwört er die alten Erinnerungen hinauf und verspricht wiederzukommen, um dann im Stillen mit ihm anzustoßen und zu trinken, ganz wie früher. Und er hadert mit dem lieben Gott. Er an seiner Stelle, er hätte jetzt Gewissensbisse. Und so endet er in seiner überbordenden Traurigkeit mit: "Et maintenant bon Dieu tu vas bien rigoler: Et maintenant bon Dieu, maintenant je vais pleurer."



Jacky

Auch wenn ich eines Tages nur noch im Altenheim von Knokke-le-Zoute meine Lieder für rosa Elefanten singe, dann werde ich doch spüren, daß sie aus einer Zeit stammen, als ich noch der kleine "Jacky" war.
Auch wenn ich eines Tages im Paradies Hallelujas für Engel schmettere, selbst dann werde ich in den Nächten das alte Lied singen, das Lied aus der Zeit, als ich noch "Jacky" war:
"Être une heure, une heure seulement... beau, beau, beau et con à la fois"



Je ne sais pas

Vielleicht Brels schönstes Chanson, in jedem Fall eines seiner poetischsten: Ich weiß nicht, warum der Regen aus schweren grauen Wolken fällt, warum der Wind von ferne helles Kinderlachen herüberträgt, warum der Nebel sich um mich legt, warum sich die Menschen hinter den Fensterscheiben die Nasen platt drücken, warum die Straßen mich scheinbar alle nur an diesen einen Ort zu geleiten scheinen, diesen Bahnhof, an dem ich jetzt stehe und weine. "Je ne sais rien de tout cela. Mais je sais que je t'aime encore." Ich weiß nicht um wieviel Uhr diesen Abend der Zug gen Amsterdam fährt, der Zug, den ein Paar nehmen wird, ein Paar, von dem du die Frau bist. Ich weiß nicht, von welchem Kai in Amsterdam das gewaltige Schiff ablegen wird, das mit unserer Liebe auch meine Zukunft davontragen wird. "Je ne sais rien de tout cela. Mais je sais que je t'aime encore."



Jef

Ein Lied über die Freundschaft zweier alter Säufer: Nein Jef, du bist nicht allein, hör auf zu weinen, mitten auf der Straße, nur weil diese Frau dich hat fallen lassen. Nein Jef, du bist nicht allein, hör auf so zu schluchzen, vor allen Leuten, die stehenbleiben, auf dich schauen, die über dich lachen. "Viens Jef viens viens viens!"
Komm Jef, ich habe noch ein paar Pfennige, die gehen wir versaufen, und wenn es nicht reicht werden wir anschreiben lassen. Und ich hab noch meine Gitarre, auf der ich dir spielen werde. Wir werden gemeinsam singen und Pläne schmieden wie früher von Amerika und unserem Glück, das wir dort machen werden. Wie damals, als wir noch jung waren, als wir noch Geld hatten, bevor aus uns das wurde, was wir jetzt sind... "Allez viens Jef viens! Oui oui Jef oui viens!"



La fanette

Ein berührendes Lied über eine Jugendliebe. Sie waren zwei Freunde und Fanette, die ihn liebte. Zu dritt verbrachten sie einen glücklichen Sommer am Strand, und er hatte noch nicht gelernt, grundsätzlich allem zu mißtrauen. Eines Tages waren es dann plötzlich sein Freund und Fanette, die sich einander zuwandten, ihn nur noch auslachten, immer weiter aufs Meer hinaus schwammen, während er in seinem Schmerz am Strand stand, so weit und so gut schwammen an diesem Tag... daß man sie niemals mehr wieder sah. Sie waren zwei Freunde und Fanette liebte den anderen. Und noch immer steht er am Sommer am Strand und sieht auf das Meer hinaus. Und dann meint er eine Stimme zu hören. "J'entends... c'est la Fanette."



Les bourgeois

Mit heißem Herzen, das Bier im Blick diskutierten wir Abend für Abend gemeinsam, Jojo, der sich für Voltaire hielt, Pierre für Casanova und ich, der hochmütigste von allen, ich hielt mich einfach für mich selbst. Und wenn ein Bourgeois vorbeikam, sangen wir böse Schmählieder über ihn: "Les bourgeois c'est comme les cochons..."
Mit müdem Herzen und gesenktem Blick treffen wir uns noch immer, Herr Jojo, der von Voltaire redet, Herr Pierre von Casanova und ich, noch immer der stolzeste von allen, ich rede bloß über mich. Doch wenn wir über die Straße gehen, ist es denn zu glauben, singen junge Rüpel böse Schmählieder über uns: "Les bourgeois c'est comme les cochons..."



Les Marquises

Brels letztes Chanson ist eine Widmung an seine letzte große Liebe, einer Liebe, die keinem Menschen gegolten hat, sondern einer Inselgruppe in der Südsee: Den Marquesas.
"Ils parlent de la mort comme tu parles d'un fruit." Mit getragener Stimme erzählt er von dem Leben auf diesen Inseln und beschreibt damit tatsächlich weit mehr seine eigenen Sehnsüchte und die farbenprächtigen Bilder Gauguins als die mittlerweile längst missionierten Südseeinsulaner. "Et par manque de brise le temps s'immobilise aux Marquises."



Madeleine

Es ist Brels Vortragsweise, die diesen scheinbar traditionellen Chanson unter die Haut gehen läßt. Von Strophe zu Strophe spürt man die Verzweiflung des jungen Mannes, der auf seine Geliebte wartet, einen verwelkenden Blumenstrauß in der Hand, sich ausmalend, was er mit ihr am Abend noch unternehmen wird, während rings um ihn längst alles Cafés schließen. "Madeleine c'est mon espoir. C'est mon Amérique à moi..." Und so endet das Lied mit der nie versiegenden Hoffnung des Mannes. Auch Morgen wird er an dieser Straßenecke warten, einen neuen Blumenstrauß in der Hand, auf seine Madeleine...



Mathilde

"Mathilde est revenue" - Mathilde ist wieder da! Dieser Ausruf zieht sich als roter Faden durch Brels Chanson, erst zögerlich, ängstlich, voller Vorbehalte gegen sie, die ihm einst das Herz gebrochen hat, in Selbstgesprächen mit seinen Händen, die vor Freude zittern, seinem Herzen, das viel zu heftig schlägt. Später brechen dann doch die Gefühle aus ihm heraus und "Mathilde est revenue!" wird zu einem Freudenschrei, zu einem Jubelgesang, einem Schlachtruf und einer Festtagshymne. "Ma belle Mathilde puisque te voilà!"



Ne me quitte pas

Das bekannteste Chanson von Jaques Brel und eines seiner schönsten. Ein Mann fleht seine Geliebte an, ihn nicht zu verlassen, ihm zu verzeihen, zu vergessen und endet in der Selbstaufgabe: Ich werde nicht mehr weinen, ich werde nicht mehr reden, ich werde mich dort verstecken, dich einfach nur beobachten, wenn du tanzt und lächelst, dir zuhören, wenn du singst und lachst. Laß mich zum Schatten deines Schattens werden, zum Schatten deiner Hand, zum Schatten deines Hundes, aber verlaß mich nicht. "Ne me quitte pas, ne me quitte pas, ne me quitte pas."



Sur la place

Ein Lied, das einen die flirrende Hitze förmlich spüren läßt. Mittag - auf dem Marktplatz unter der brennenden Sonne tanzt ein Mädchen selbstvergessen und singt vor sich hin. Die Menschen schauen aus ihren Fenstern und spüren, wie die Szene sie berührt. "Ainsi certains jours paraît une flamme à nos yeux..." Doch die drückende Hitze lastet immer schwerer auf der Stadt, bis die Menschen sie und das unbeschwerte Mädchen nicht länger ertragen und die Fensterläden schließen "comme une porte entre morts et vivants". Auf dem verlassen daliegenden Platz heult nur noch ein einsamer Hund...



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